{"id":352,"date":"2012-09-22T09:02:19","date_gmt":"2012-09-22T09:02:19","guid":{"rendered":"http:\/\/support-together.de\/?p=352"},"modified":"2012-09-24T14:24:48","modified_gmt":"2012-09-24T14:24:48","slug":"352","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.support-together.de\/page\/352\/","title":{"rendered":"\u201eFu\u00dfball ist kein Produkt\u201c \u2013 Doch."},"content":{"rendered":"<p style=\"text-align: justify;\">Heute wird es seitens der BVB-Fans wie zu Beginn der R\u00fcckrunde der letzten Saison erneut einen Boykott des Ausw\u00e4rtsspiels in Hamburg geben. Die Initiative \u201eKein Zwanni\u201c ruft damit gegen sozial unvertr\u00e4gliche Eintrittspreise auf.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">In der ganzen Diskussion wird Fu\u00dfball entweder als Produkt betrachtet oder es wird reflexartig versucht, das Label \u201eProdukt\u201c wieder vom Fu\u00dfball abzukratzen. Neben der aktuellen Berichterstattung hatte zum Beispiel der Sportjournalist Hansi K\u00fcpper in seiner regelm\u00e4\u00dfig im Stadion- und Mitgliedermagazin erscheinenden Kolumne \u201eHansi Mondiale\u201c das Thema aufgegriffen. Zun\u00e4chst ist dies sehr lobenswert, denn es zeigt einmal mehr, welch gro\u00dfes Echo die Aktion erzielen konnte und dass die Initiative &#8222;Kein Zwanni&#8220; sich eine doch recht gro\u00dfe \u00f6ffentliche Plattform geschaffen hat. Was mir beim zweiten Blick jedoch missf\u00e4llt, ist der Kanal, \u00fcber den der Autor argumentiert.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Direkt im ersten Abschnitt ist von &#8222;Hardcore-Wirtschaftsliberalen&#8220; die Rede. Au\u00dferdem schreibt Hansi K\u00fcpper: \u201e&#8217;Fu\u00dfball ist [&#8230;] kein Produkt!&#8216; [&#8230;] Und man muss beharrlich darauf hinweisen, dass die Grunds\u00e4tze der freien Marktwirtschaft beim Fu\u00dfball weitestgehend au\u00dfer Kraft gesetzt sind.&#8220; Dazu muss man sagen, dass es in Zeiten einer Wirtschaftskrise und wachsender wirtschaftlicher Ungleichheit (leider) \u00fcberaus popul\u00e4r ist, auf das b\u00f6se Bankensystem und marktwirtschaftliche Mechanismen im Allgemeinen zu schimpfen. Ich selbst bin in einer wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Disziplin zuhause. Nun z\u00e4hle ich mich nicht gerade zu den Hardcore-Wirtschaftsliberalen. Ich m\u00f6chte aber versuchen, diese Argumentationsposition im Rahmen dieses Artikels einzunehmen, um aufzuzeigen, dass man Fu\u00dfball durchaus als ein Produkt betrachten kann und dass diese Position in der Diskussion um den derzeitigen Trend in der Ticketpreispolitik der Vereine durchaus vertretbar ist.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Machen wir einen kleinen Versuch. Betrachten wir das Spiel und seine Verpackung einmal als Ganzes. Als ein nacktes Wirtschaftsgut, das angeboten und nachgefragt wird. Als ein Produkt.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Nun ist es meistens so, dass bei der Herstellung eines Produkts verschiedene Produktionsstufen durchlaufen werden und verschiedene Akteure an seiner Herstellung beteiligt sind. Dies sind zu aller erst die Spieler auf dem Rasen. Ohne sie g\u00e4be es dieses Gut nicht. Dazu z\u00e4hlen au\u00dferdem Trainer, Sportdirektor, Pr\u00e4sidium. Sogar der Platzwart, der die B\u00e4lle einfettet, und der Typ, der die Gl\u00fchbirnen der Rasenbeleuchtung auswechselt (sollte diese Stelle bald frei werden und man von dem Gehalt jeden Tag eine warme Mahlzeit auf den Tisch bringen k\u00f6nnen, bitte e-Mail mit der Stellenausschreibung an mich). Dazu k\u00f6nnen noch viele andere Akteure gez\u00e4hlt werden, die an der Produktion mitwirken, die ich aber jetzt nicht alle einzeln auflisten kann und m\u00f6chte.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Einen gro\u00dfen Anteil am Gesamtkunstwerk haben jedoch wir, die Fans. Der &#8222;harte Kern&#8220;, den man vor allem auf Steh-, aber selbstverst\u00e4ndlich auch auf Sitzpl\u00e4tzen findet. Speziell in einem Traditionsclub gilt: Wir sind die Konstante, wir sind immer da. In guten wie in schlechten Zeiten. Und mit unserer Performance in der Kurve tragen wir dazu bei, dass das Produkt eine enorme Qualit\u00e4tsgarantie und sogar -steigerung erf\u00e4hrt. Was gibt z.B. den letzten Ausschlag f\u00fcr Gesch\u00e4ftsleute aus den Logen und VIP-Trib\u00fcnen, ins Stadion zu gehen? Sicher, ein gewisses Grundinteresse am Fu\u00dfball und dem Verein ist vorhanden. Aber dar\u00fcber hinaus? Immer wieder ist von der &#8222;Super-Stimmung&#8220; die Rede, die im Stadion geherrscht hat. Zur Unterhaltung der Eventfans geh\u00f6rt nicht nur das Spiel auf dem Rasen, sondern auch das Spiel auf den R\u00e4ngen, die Ges\u00e4nge, die Choreos, etc. Die Anzahl der Spiele, die ein solcher o.g. Zuschauer pro Saison sieht, kann man wohl an einer Hand abz\u00e4hlen. Sie treten im Stadion blo\u00df als Konsumenten auf. Doch dies ist auch eigentlich nicht weiter schlimm: Sie zahlen in der Regel ihren sehr teuren Sitzplatz und gehen wieder nach Hause. Oder sie unterst\u00fctzen den Verein \u00fcber die Saison hinaus evtl. durch hohe Sponsoring-Betr\u00e4ge. So weit so gut, Fu\u00dfball ist schlie\u00dflich Volkssport und somit f\u00fcr alle da, auch f\u00fcr VIPs. Die Passivit\u00e4t eines gewissen Zuschaueranteils im Stadion nehme ich hin. Oft stehe auch ich gerne ein ganzes Spiel lang nur da und bewundere die Kunst und Sch\u00f6nheit des Spiels, meist mit offenem Mund.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Das entscheidende dabei ist jedoch, und darum geht es bei der ganzen Diskussion um die Ticketpreise: Wenn eine Verdr\u00e4ngung der Produzenten des Teilprodukts &#8222;Stimmung&#8220; stattfindet, wird das Gesamtprodukt Fu\u00dfball ver\u00e4ndert, genauer gesagt: Die Qualit\u00e4t nimmt enorm ab. Durch hohe Ticketpreise k\u00f6nnen sich die Leute auf den Stehpl\u00e4tzen (oder allgemein: Die Vielfahrer, die in der Regel f\u00fcr die Stimmung verantwortlich sind) einen regelm\u00e4\u00dfigen oder im Extremfall gar einen einzelnen Stadionbesuch nicht mehr leisten. Bricht man diesen Prozess weiter herunter, sind am Ende keine Produzenten der Stimmung mehr da &#8211; das Produkt ist mitunter ein v\u00f6llig anderes. Durch die hohen Preise herrscht in der Struktur der Stadionbesucher eine hohe Fluktuation: Weniger Dauerg\u00e4ste, mehr Einmalbesucher. Das Stadion ist zwar immer ausverkauft, aber die Zuschauer sind selten die Gleichen. Diese sind wie oben angenommen schlichte Konsumenten und produzieren keine Stimmung. Die alten Produzenten k\u00f6nnen folglich nicht ersetzt werden.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Der zweite Punkt, der folgerichtig aus dem ersten resultiert: Ist die bestehende neue Preispolitik und somit neue Zuschauerstruktur ein Dauerzustand, kann keine neue Fangeneration heranwachsen. Der Nachwuchs an Stimmungsproduzenten fehlt also. Das Produkt in seiner urspr\u00fcnglichen Form ist auf lange Sicht entstellt. Die Vereine s\u00e4gen also letzten Endes an dem Ast, auf dem sie sitzen. Es ist in ihrem eigenen Interesse, Fu\u00dfball als Volkssport zu erhalten und f\u00fcr alle zug\u00e4nglich zu machen. So erhalten sie sich ihre Basis, der immer zu ihnen steht &#8211; ungeachtet der aktuellen sportlichen Situation (betriebswirtschaftlich gesprochen erhalten sie sich ihre Stammkunden). Ich bin weit davon entfernt, zu sagen: Die Eintrittspreise m\u00fcssen fl\u00e4chendeckend radikal reduziert werden, \u201eSteher f\u00fcr sieben Euro f\u00fcr alle!\u201c Nein. Vielmehr sollten Preise so designt sein, um allen Schichten die Chance zu geben, in den Genuss des Kulturgutes Fu\u00dfball (denn nichts anderes ist es letztendlich) zu kommen.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\">Es geht also bei der ganzen Diskussion um nicht mehr oder weniger als um den Erhalt eines zentralen Teils der Fankultur. Die Vorh\u00f6lle dessen, was uns bl\u00fcht, durfte ich letzte Saison selbst am Beispiel Arsenal London am eigenen Leib erfahren. Soweit d\u00fcrfen wir es nicht kommen lassen. Es geht auch nicht darum, die \u00f6konomische Terminologie zu verteufeln oder marktwirtschaftliche Mechanismen in G\u00e4nze abzulehnen, so geschehen in der Kolumne von Hansi K\u00fcpper und ihn vielen anderen mit \u00e4hnlichem Tenor. Davor warne ich. Das ist unseri\u00f6s und letzten Endes auch unglaubw\u00fcrdig. Vielmehr sollte es das Ziel sein, seine Argumentationsgrundlage sowohl in der Tiefe als auch in der Breite zu erweitern, um unsere Diskussionspartner und -gegner solide und nachhaltig \u00fcberzeugen zu k\u00f6nnen. Auch leisten wir einen Beitrag zum Erhalt dessen, was wir alle lieben: den Fu\u00dfball.<\/p>\n<p style=\"text-align: justify;\"><em>Der Artikel ist ebenfalls im Internetportal www.fankultur.com erschienen. Auch bei Facebook unter\u00a0http:\/\/www.facebook.com\/fankulturcom<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute wird es seitens der BVB-Fans wie zu Beginn der R\u00fcckrunde der letzten Saison erneut einen Boykott des Ausw\u00e4rtsspiels in Hamburg geben. Die Initiative \u201eKein Zwanni\u201c ruft damit gegen sozial unvertr\u00e4gliche Eintrittspreise auf. 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